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RITUSAMHARA
von
Kalidasa

III. Der Herbst - Sharad-Ritu:

Wie eine jungverheiratete Frau mit ihrem Schmuck zieht der Herbst ein. Blüten, Mond, Schwäne verwandeln alles in Weiss. Jetzt ziehen die Flüsse langsam dahin, wie stolze junge Frauen ein-herschreiten. Der Himmel mit seinen leichten Wolken erscheint wie ein König mit dem Privileg des weissen Fliegenwedels. Der Mond quält die Herzen einsamer Frauen. Der sanfte Wind bewegt in den Teichen die Lotuspflanzen und verwirrt das Herz der Jünglinge. Die schwarzen Wolken mit Blitz und Donner sind verschwunden. Die Frauen schmücken ihre Haare mit Jasminblüten und ihre Ohren mit blauen Lotusblüten. Der Himmel, mit Mond und Sternen bestreut, er-scheint wie ein See mit offenen Wasserlilien und Königsschwänen. Wenn aber die Reisenden Blüten und trunkenen Schwänen die schönen Vorzüge ihrer Frauen erblicken, weinen sie.

Beispiel: Vers III. 24

Aasitanayanalakshmim lakshayitvootpaleshu
Kvanitakanakalakshmim mattahamsasvaneshu
Adhararuchirashoobhaam bandhujiive priyaanaam
Pathikajana idaaniim rooditi bhraantachittaha

Voller Verwirrung weinen jetzt die Reisenden, wenn sie in den Lotusblüten die Schönheit der schwarzen Augen ihrer Geliebten erkennen, im Ton der trunkenen Schwäne das Klingeln der goldenen Glöckchen ihren Gürtels hören, in der roten Bandhujivablüte aber ihre glänzenden roten Lippen wahrnehmen.

IV. Der frühe Winter - Hemanta-Ritu:

Es erscheinen die neuen Triebe der Saaten und, die Lodhrablüten, der Reis ist reif. Die Lotusblüten jedoch sind verschwunden. Die Frauen müssen sich jetzt mit anderen Dingen schmücken als zuvor: Sie brauchen Sandelholzsalbe, bemalen sich ihre Gesichter und par-fümieren ihre Haare. Felder und kalte Seen berühren das Herz der Menschen. Die Priyangupflanze wird, reif geworden, bleich wie eine einsame Frau. In der Nacht liegen die Liebespaare eng umschlungen. Am Morgen zeigen die einzelnen Frauen die Merkmale des erlebten Liebesgenusses: Die eine betrachtet im Spiegel ihre zerbissene Lippe und schmückt sich; eine andere schläft, von der köstlichen Anstrengung erschöpft, in der warmen Morgensonne. Wieder andere bringen ihr zerzaustes Haar in Ordnung.

Beispiel: Vers IV. 14

Anyaa prakaamasuratashramakhinnadehaa
Raatriprajaagaravipaatalanetrapadyaa
Stratstaansadeshalulitaakulakeshapaashaa
Nidraam prayaati mridusuryakaraabhitaptaa

Die köstliche Anstrengung beim Liebesspiel hat den Körper der einen erschöpft und ihre Augen sind gerötet vom langen Wachen. Während jetzt ihr Haarzopf aufgelöst über die Schultern herabhängt, schläft sie in den sanften, wärmenden Strahlen der Morgensonne.

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