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von Kalidasa Einleitung von Unsere Dichtung wird unter die Gattung Kavya eingeordnet. Das Wort Kavya wird von Kavi abgeleitet. Als Adjektiv bedeutet Kavi, "weise, erleuchtet", als Substantiv "der Weise, der Seher, der Sänger und der Dichter". Kavya seinerseits wird als Substantiv mit Weisheit, Inspiration und dann poetisches Kunstwerk übersetzt. Schließlich wird es zum Sammelbegriff für Kunstdichtung überhaupt. Wodurch zeichnet sich nun das Kavya aus? Im Gegensatz zur älteren Dichtung legen die Dichter auf die formale Ausgestaltung ihres Stoffes höchsten Wert. Schmuckmittel raffiniertester Art erlangen eine unglaubliche Bedeutung. Sie werden im Laufe der Zeit ebenso wichtig wie der Inhalt selbst, ja manchmal noch wichtiger. Metaphern, Wortspiele, glanzvolle Beschreibungen gehören genau so dazu wie nicht selten eine gewollte Mehrdeutigkeit des Textes. Parallel dazu setzt sich die nominale Ausdrucksweise mehr und mehr durch. Ein Charakeristikum dieses Stiles sind auch die immer länger werdenden Komposita. Eine weitere Besonderheit dieser Dichtung besteht darin, dass sich die Dichter an gewisse Regeln halten müssen, wie sie die theoretischen Abhandlungen über Dichtkunst festgelegt haben. So gibt es z.B. einen Stock von vorgegebenen Standartvergleichen, den der Dichter ausschöpft. Seine Kunst zeigt er darin, dass er durch ei-nen besonderen eigenen Zug das überlieferte poetische Material um-gestaltet und in etwas Neues verwandelt. Darin könnte wohl auch mit ein Grund liegen , weshalb wir in diesen Dichtungen kaum je ein Bekenntnis ganz persönlicher Gefühle und Empfindungen antref-fen, wie sie uns in der lateinischen und griechischen Literatur bei Dichtern wie Catull, Archilochos, Sappho entgegentreten. Umgekehrt glänzen die indischen Dichter durch grossartige Naturschil-derungen, wie wir sie in diesem Umfang und in dieser Intensität bei Römern und Griechen kaum kennen. Das Werk Ritusamhara kann nicht mit absoluter Sicherheit Kalidasa zugeschrieben werden, doch besteht eine grosse Wahrscheinlichkeit, dass es von ihm stammt. Es beschreibt in lyrischer Weise die sechs indischen Jahreszeiten, und zwar beginnt es mit dem Sommer und endet mit dem Frühling. Wenn auch seine dichterischen Qualitäten nicht ganz an das Meghaduta heranreichen, gelingen ihr dennoch wunderschöne Stimmungsbilder der einzelnen Jahreszeiten und der Freuden, die sie den Menschen, insbesondere den jungen Liebenden bereiten. Jedes Kapitel endet schliesslich mit einen Segenswunsch. Ich habe hier versucht, die Kapitel über die einzelnen Jahres-zeiten kurz zusammenzufassen. Dabei bin ich mir natürlich voll be-wusst, dass ich damit dem Original Gewalt antun werde. Es bleibt mir nur die Hoffnung, es werde in einigen der ausgewählten Verse noch etwas vom Glanz und der Farbigkeit des Originals durchschimmern. Nach dem, was ich vorhin schon gesagt habe, darf man sich nicht wundern, wenn sich darin gleiche oder ähnliche Motive wiederholen. Es sind die Variationen, die zählen. Sie sollen das eine Motiv in immer neuen Farben aufleuchten lassen, wie ein Kristall verschieden-farbig funkelt, je nachdem das Licht auf ihn fällt. Seite
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